News

Rückblick: Wasserstoff – Kooperationspotenziale in der Forschung und Anwendung

Am Donnerstag, den 15. Oktober 2020 gingen in der ACO Academy Büdelsdorf bis zu 250 Online- und 30 Präsenzteilnehmer*innen aus Wirtschaft und Wissenschaft der Frage nach, was zum Umbau unseres Energiesystems beigetragen werden kann und welche Voraussetzungen dafür in den Bundesländern vorliegen. Nach der von Niedersachsen organisierten, erfolgreichen Auftaktveranstaltung im September 2019 folgte nun unter der Federführung von Schleswig-Holstein eine weitere gemeinsame Veranstaltung der Norddeutschen Energieforschungsverbünde im Auftrag der Norddeutschen Wissenschaftsministerkonferenz (NWMK). Diese wurde als Hybrid-Veranstaltung durchgeführt und von den norddeutschen Ländern und Wirtschaftsnetzwerkagenturen unterstützt und hatte das Ziel, Möglichkeiten zu eröffnen, konkrete Ideen zu generieren und Partnerschaften für das Themengebiet Wasserstoff zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in Norddeutschland weiter auszubauen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Anzahl der Präsenzteilnehmer*innen bewusst klein gehalten. Moderiert wurde die Veranstaltung vor Ort von Prof. Dr. Sonja Peterson, Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) und Prof. Dr.-Ing. Michael Berger, Fachhochschule Westküste.

Frau Karin Prien, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein betonte in Ihrer Begrüßung das Norddeutschland die besten Voraussetzungen besäße, um in der Kooperation zwischen Forschung und Praxis den Weg zur grünen Wasserstoffwirtschaft erfolgreich zu gestalten.


Folgende Fachvorträge zum Stand der Wasserstoffwirtschaft leiteten in das Thema ein:


Anschließend wurden in folgenden Themengruppen „Technologien der H2-Erzeugung und –Speicherung“, „Mobilität: Batterien, Brennstoffzellen oder doch SynFuels?“, „Wasserstoff – produzieren oder importieren?“, „Welche Wasserstoff-Infrastruktur brauchen wir?“, „Grüne Gase im Einsatz – Neue Lieferketten“ und „Stoffkreisläufe und Carbon Capture – Probleme gelöst“ die derzeitigen naturwissenschaftlichen und technische Entwicklungen diskutiert. Zugleich wurden in der technischen Fragestellung der Forschungsbedarf der Unternehmen und der Institutionen abgeglichen. Dabei wurde Wasserstoff als wichtiger Lösungsbeitrag zur Klima-Neutralität betrachtet.

Wesentliche Ergebnisse der einzelnen Gruppen:

  • Die Welt hat sich längst auf den Weg in die Wasserstoffwirtschaft gemacht, die ökologische Energiewende mit regenerativem Strom und Wasserstoff ist überall angekommen und wird intensiv betrieben.
  • Ohne den massiven Zuwachs beim regenerativen Strom werden in Deutschland bei der Energiewende keine nennenswerten Fortschritte zu erzielen sein.
  • Wasserstoff wird zum wesentlichen Mittel der Energieversorgung und der Rohstoffversorgung. Wasserstoff ist zudem ein überragendes Transportmedium in Pipelines, wesentliches Mittel des grünen Energieimports und das wichtigste nachhaltige Speichermedium.
  • Um die ambitionierten Klimaziele noch erreichen zu können, müssen zügig alle Register gezogen, alle Potenziale genutzt und alle erforderlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Sämtliche Stufen der Forschung und des Technologiereifegrades sind zu berücksichtigen, und neben Effizienzüberlegungen sind auch immer die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten und die gesellschaftliche Umsetzbarkeit zu berücksichtigen.
  • Es ist im Voraus nicht immer erkennbar, welche Technologie sich durchsetzen wird und welche sich nur als Brücke in eine andere Energiezukunft erweist. Diese Spannungen erscheinen als unvermeidlich und im Licht der Klimakrise auch als finanzierbar. Die Technologieoffenheit sollte deshalb überall durchgestanden werden.
  • Die Unternehmen brauchen verlässliche gesetzliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die anstehenden großen Investitionsentscheidungen und das Hochrampen von Produktlinien und Angeboten. Verlässliche Rahmenbedingungen sind zudem immer die Voraussetzung für das Nutzen von Experimentierfeldern wie beispielsweise den Reallaboren der Energiewende.
  • Eine erfolgreiche Energiewende geht einher mit dem konsequenten Übergang zur Kreislaufwirtschaft. Daraus ergeben sich völlig neue Lieferketten, Stoff- und Energieströme, die jetzt in einem Zug mit angepackt werden müssen.
  • Energiewende und Wasserstoffwirtschaft bedingen auch neue Strukturen im Welthandel und werfen eine Vielzahl noch zu klärender Fragen hinsichtlich einer einheitlichen Bewertung von Klimagasen und der Umweltwirkung von Produkten auf. Die volkswirtschaftliche Forschung ist hier zusätzlich gefordert.
  • Die fünf norddeutschen Bundesländer waren sich einig, dass siegemeinsam das Potenzial haben, nicht nur bei der Energieerzeugung, sondern auch bei Power-to-X-Technologien und bei der Anwendung von Wasserstoff gewichtige wirtschaftspolitische Impulse setzen zu können. Dieses Potenzial gelte es aber nun zügig und umfassend zu nutzen.

In der Abschlussdiskussion waren die Teilnehmer*innen sich einig, dass Deutschland und Europa zeitnah die geleisteten Vorarbeiten aus der Wissenschaft und Wirtschaft in konkrete Produkte und Arbeitsplätze umzusetzen müsse, bevor andere Länder wie bei anderen Technologien zum Überholen ansetzen. Dazu müssten vor allem dringend die Gesetze und Bestimmungen auf die Energielandschaft und seine zukünftigen Anforderungen anpasst werden.

Bei weiterführenden Fragen stehen Ihnen das EEK.SH oder der jeweilige Energieforschungsverbund in Ihrem Bundesland gerne zur Verfügung. Hier finden Sie u. a. Unterstützung bei Projektanträgen und der Vernetzung mit Kompetenz- und Kooperationspartnern aus Wissenschaft und Wirtschaft.

Hier geht es zur Videoaufzeichnung der norddeutsch Wasserstoff-Konferenz.

Zurück

Ein Projekt der FuE-Zentrum FH Kiel GmbH

Forschungs- und Entwicklungszentrum Fachhochschule Kiel GmbH